techniken_email_emaillieren

Nicht klauen, selber machen.

        Technik

 Der Arbeitsplatz
Oberste Bedingung für das Gelingen einer guten Email-Arbeit ist unbedingte Sauberkeit, denn verschmutzte Emails führen unweigerlich zu Fehlbränden. Es ist empfehlenswert, einige Bogen Papier vor sich hinzulegen, auf denen man die Dekorarbeiten ausführt; übrig gebliebenes Email kann man dann wieder in die Streudose zurückschütten.
Obwohl alle Öfen gut isoliert sind, entsteht doch in Ofennähe eine nicht unbeträchtliche Hitze. Es ist darum zweckmäßig, das Gerät auf eine möglichst unempfindliche Unterlage zu stellen. Sie können hierfür auch die Brennablage verwenden, die in jedem Falle aber auch vor dem Ofen liegen soll, um darauf heiße Kupferteile nach dem Brand zum Erkalten ablegen zu können.
Temperaturregler und Steuergeräte, sofern nicht in den Ofen eingebaut, in einem Abstand von mindestens 30 cm vom Ofen aufstellen. Auf keinen Fall auf den Ofen stellen!
Es versteht sich, dass auch das Arbeitsgerät sauber sein soll. Legen Sie es griffbereit in Ihre Nähe.
Grundsätzlich gehören keine Lebensmittel an den Arbeitsplatz!
Die Verarbeitungsvorschriften der verschiedenen Emailsorten müssen genau beachtet werden.

 Vorbereitung der Metalle
Zum Emaillieren muss die Metalloberfläche sauber und fettfrei sein, damit das Email auf dem Kupfer gut haften kann. Verschmutzungen werden mit der Karborundumfeile oder dem Schleifblock abgeschliffen.

 Dekorarbeiten
Schmuckemails können in sehr vielen Techniken verarbeitet werden. Hiermit wollen wir  Ihnen eine Übersicht mit Anregungen und Tipps geben. Weitere ausführliche Anleitungen finden Sie in entsprechenden Fachbüchern.
Natürlich kann man willkürlich irgendwelche Emails auf alle möglichen Formen auftragen und brennen, wobei oft hübsche Muster entstehen. Empfehlenswert aber ist es vorher einen Entwurf anzufertigen und die Arbeitstechnik festzulegen, damit das Dekor in Flächenaufteilung und Farbgestaltung auch harmonisch mit der Metallform übereinstimmt.

 Die Streutechnik
Pulverisiertes Email wird bei kleinen Platinen direkt aus der Streudose mit einem Siebröhrchen, oder bei größeren Formen mit dem Streusieb möglichst gleichmäßig und in ungefährer Stärke des Kupfers auf den Schmelzträger gestreut. Die Fläche muss so gut bedeckt sein, dass kein Metall mehr durchschimmert, denn bei zu dünnem Auftrag entstehen beim Brand durch Verzunderung schwarze Punkte. Bei zu starkem Auftrag platzt das Email leicht ab oder es zieht sich beim Brand stark zusammen, so dass an den Rändern Abrollstellen entstehen, die man dann mit der Karborundumfeile abschleifen und durch Nachemaillieren ausbessern muss.

 Gewölbte Formen
Trockenes Email rutscht an den steilwandigen Rohlingen (Schalen oder Gefäße, sofern Sie diese gestalten möchten) zur Mitte hin ab. Um dies zu verhindern, streichen wir vor dem Aufstreuen mit einem Pinsel das Werkstück, insbesondere aber die Ränder und stark gewölbte Flächen gleichmäßig dünn mit Haftmittel ein.
Beim Dekorieren ist darauf zu achten, dass man kontinuierlich vom Rand aus nach innen zu streut, um einen gleichmäßigen Auftrag zu gewährleisten. Stark gewölbte Gefäße halten wir dabei schräg in der Hand, damit das Email möglichst senkrecht auf die Fläche fällt.
Sehr steile Formen sollten an den Rändern etwas kräftiger bestreut werden, jedoch nicht so stark, dass das Email beim Schmelzen abfließt. Während dieser Dekorarbeiten wird das Werkstück langsam gedreht , bis eine geschlossene Emailschicht aufgepudert ist. Der Boden bzw. die Mitte wird zum Schluss bestreut.
Vor dem Brand muss selbstverständlich das aufgetragene Haftmittel völlig
ausgetrocknet werden, da sonst im Ofen die schnell verdampfende Flüssigkeit
im Email Blasen werfen würde.

 Durchbrenntechnik
Die einzelnen Emails haben unterschiedliche Schmelzeigenschaften. Wir unterscheiden fünf Gruppen von weich bis sehr hart; das heißt: weiche Emails schmelzen früher aus als harte. Diese Toleranzen können wir uns bei der Dekorgestaltung zu Nutze machen.
Wir streuen als Grundlage ein weiches Email und darüber ein hartes. Beim Brennvorgang sinkt das harte Email in das weiche ein, so dass sich nach dem Erkalten eine eigentümlich gefleckte Dekorfläche ergibt. Für den Durchbrenneffekt müssen wir mit hohen Temperaturen in der Muffel arbeiten.

 Brenneffekte
Durch überhöhte Temperaturen und längeren Brand entstehen bei vielen opaken Emails Farbveränderungen, die das Dekor weiter beleben. Die Farben
Silbergrau, Lindgrün, Dunkeltürkis und Fliederrosé werden opalisierend, d.h. halb durchscheinend. Die Farben Zitrogelb, Elfenbein, Blattgrün und Weiß bekommen bei scharfem Brand einen dunkleren Rand. Rot brennt schwarzfleckig durch, ein oft gewünschter reizvoller Effekt.

 Haftmitteltechnik
Haftmittel kann man nicht nur als Klebemittel, sondern auch zur Dekorgestaltung verwenden. Man brennt einen Emailgrund vor und malt nach Erkalten mit Pinsel und Haftmittel das gewünschte Dekor auf die Emailschicht. Nun streut man über den Schmelzträger das Kontrastemail und klopft es anschließend wieder ab. Nach dem Trocknen wird das Dekor eingeschmolzen.

 Folientechnik
Bei den Folien handelt es sich um reines Gold und Silber, das von Hand hauchdünn geschlagen wurde und speziell für kunsthandwerkliche Emailarbeiten gefertigt ist. Man sollte deshalb mit diesem wertvollen Material besonders sorgfältig umgehen.
Zuerst wird wieder das Werkstück mit einem Grundemail gerbrannt. Dann schneiden wir – möglichst nach vorhandenem Entwurf – mit einer feinen Schere oder einer Rasierklinge Formen aus der Folie, die man dabei zweckmäßig zwischen dünnes Seidenpapier legt.
Jetzt bestreichen wir die erkaltete Emailschicht mit Haftmittel und ordnen darauf mit der Pinzette oder mit dem Pinsel vorsichtig die einzelnen Folienzuschnitte nach unseren Wünschen. Alle größeren Stücke werden mit einer Nadel mehrfach durchstochen (perforiert), damit beim Brand die darunter angestaute Luft entweichen kann. Sobald das Haftmittel ausgetrocknet ist, wird das Dekor kurz angeschmolzen, sodass sich das Edelmetall mit dem Grundemail verbindet.
Man kann die Arbeit so belassen, doch bleibt die Oberfläche griffempfindlich. Praktischer und in gewisser Weise auch wirkungsvoller ist es, wenn man jetzt noch über die Folieneinlage ein transparentes Email streut und nachbrennt.
Durch die Gold- oder Silberunterlage wirkt das Dekor besonders leuchtend. Die dabei entstehende Kräuselung der Folien erhöht den Lichteffekt.

 Wischtechnik
Auf einen emaillierten Grund werden verschiedenfarbige Emails nebeneinander
aufgestreut. Durch einfaches Überstreichen mit einem trockenen Malpinsel können die Farben so ineinandergewischt werden, dass dabei reizende Motive, halb Durchbrenntechnik, halb Ton in Ton, entstehen. Der Emailgrund kann auch nur mit einer andersfarbigen Emailschicht überstreut werden. Mit dem Pinsel werden dann die Konturen herausgewischt und sehr feine Farbübergänge erzielt. Mit einem angefeuchteten Pinsel können Sie Punktdekore aus der Streufläche heraustupfen.

 Ziehtechnik
Die gesäuberte Metallfläche wird mit einer Grundemailschicht überstreut. Darauf legen wir mit der Pinzette Splitteremail in verschiedenen Farben und stellen das Werkstück in den Ofen. Sobald die Splitter einzuschmelzen beginnen, legen wir auch den Ziehstab mit der Spitze in die Muffel, bis sie rotglühend wird. Dann rühren wir mit ihm im Ofen durch die inzwischen ganz
ausgeschmolzene Emailfläche. Diese Arbeit muss verhältnismäßig schnell durchgeführt werden, damit die geschmolzenen Emails nicht zu weit ausbrennen. Doch ist gerade diese Technik sehr einfach und außerordentlich wirkungsvoll.
Statt des Splitteremails können wir auch Emailpulver mit der Messerspitze zu kleinen Häufchen auftragen. Je nach Wunsch und Anordnung lassen sich willkürliche oder bewußt gestaltete Dekors ziehen.

 Sgraffito-Technik
Auf einen bereits vorgebrannten Emailgrund wird ein andersfarbiges Email dünn aufgestreut. Mit dem umgedrehten Pinsel oder einem Griffel kratzen wir nun ein lineares Muster aus der Streufläche heraus und brennen dann das Dekor ein. Die Linien dürfen allerdings nicht zu dünn gezogen werden, da das Deckemail sich beim Schmelzen leicht zusammenzieht.
Eigenwillige Dekoreffekte kann man auch dadurch erreichen, dass man mit einem dünnen Radiergummi (bei größeren Werkstücken) die Sgraffito-Technik ausführt. Dabei häuft sich das Email an den Rändern der Linien, wodurch eine leichte Reliefwirkung entsteht.

 Der Nassauftrag
Email kann nicht nur trocken aufgestreut, sondern auch als Brei mit Pinsel oder Spachtel direkt auf das Kupfer aufgetragen werden. Das Email wird dazu mit Wasser (am besten mit destilliertem Wasser) zu einem gerade noch flüssigen Brei angerührt, dem bei steilwandigen Formen etwas Haftmittel beigefügt wird. In Flüssigkeiten quillt das Pulver auf, so dass Nassemail etwas dicker aufgetragen werden soll. Nach dem Auftrag empfiehlt es sich, durch Klopfen auf die Unterlage das vorbereitete Stück vibrieren zu lassen. Dadurch verteilt sich das Nassemail eben auf der Fläche. Das hochsteigende Wasser kann man mit Lappen oder Löschpapier leicht absaugen.
Bei allen Arbeiten mit Nassemail muss beachtet werden, dass vor dem Brand die Flüssigkeit aus dem Email verdunstet. Man stellt hierzu das Werkstück in Ofennähe. Wer es eilig hat, kann es auch mehrfach kurz in den heißen Ofen halten, bis die Flüssigkeit verdampft ist. Wenn die Feuchtigkeit aber zu schnell austrocknet, wirft das Email Blasen, die beim Brand schwarz durchbrennen.

 Auf Knetsilber
Statt auf einer Kupferplatine zu arbeiten, wird zunächst ein Werkstück aus Knetsilber geformt. Nach dem Feuern können alle oben beschriebenen Techniken darauf angewendet werden.
Das Arbeiten mit Knetsilber, speziell das Veredeln mit Email wird unter
www.KnetSiber.de näher beschrieben.

 Brenntemperaturen
Die Brenntemperaturen für Schmuckemail liegen zwischen 800 und 900° C, dabei wird die Muffel hellrot. Die Schmelzzeit beträgt je nach Materialgröße etwa 2 bis 3 Minuten. Den Brennvorgang können Sie jederzeit unterbrechen und beliebig oft wiederholen.



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